Wie man eine Deutsche Dogge trainiert
Sie betritt den Raum und alles wird still. Nicht aus Angst, sondern aus Staunen. Ihr Körper füllt den Türrahmen aus. Sie ist größer als das Kind, das neben ihr steht. Ihr Kopf reicht fast bis zum Tisch. Und dann macht sie etwas Überraschendes — sie legt ihren Kopf auf deine Knie und sieht dich mit Augen an, die sagen: "Streichel mich."
Das ist die Deutsche Dogge. Einer der größten Hunde der Welt. Und vielleicht einer der widersprüchlichsten.
Sie sieht aus wie ein bedrohliches Tier. Aber wer sie kennt, weiß: Die Deutsche Dogge ist einer der sanftesten, sensibelsten und geselligsten Hunde, die es gibt. Ihre Größe täuscht. Ihre Seele ist noch größer als ihr Körper.
Was war sie? Was ist sie geworden?
Im 16. Jahrhundert, als die dokumentierte Erwähnung der Deutschen Dogge begann, war sie kein Haustier. Sie war eine Waffe.
Die Deutsche Dogge wurde für die Wildschweinjagd geschaffen. Nicht Jagd mit Gewehr — Jagd mit Zähnen. Ihre Aufgabe war es, zum Wildschwein zu laufen, es zu packen und festzuhalten, bis der Jäger mit einem Speer kam. Das war eine gefährliche Aufgabe. Wildschweine gehören zu den gefährlichsten Tieren, die man jagen kann. Sie zerreißen Hunde mit ihren Hauern.
In meinen 25 Jahren im Feld, wenn ich Besitzer von Deutschen Doggen treffe, stelle ich ihnen eine Frage: "Weißt du, dass man sie Great Dane nennt, aber sie ist nicht dänisch?" Die Antwort ist Geschichte. Der Franzose Buffon, ein Naturforscher des 18. Jahrhunderts, sah diese Hunde in Dänemark und nannte sie Grand Danois. Der Name blieb in der englischsprachigen Welt hängen. Aber die Rasse ist deutsch, und die Deutschen nennen sie Deutsche Dogge.
Die deutsche Geschichte der Rasse beginnt im 16. Jahrhundert, als besonders große Hunde aus England und Irland eingeführt wurden — eine Kreuzung zwischen Englischer Mastiff und Irish Wolfhound. Die Deutschen nannten sie "Englische Docken" — basierend auf dem englischen Wort dog. Schnell wurden sie zu einem untrennbaren Teil der Jagd des deutschen Adels.
Um die Deutsche Dogge bei der Jagd zu schützen, legte man ihr eine Rüstung aus dickem Stoff an, die an der Bauchseite mit Fischbein verstärkt war. Die Rüstung hieß "Panzer" — und das ist offensichtlich kein Zufall. Ein Hund, der eine Rüstung verdient, ist viel wert.
Aber die Deutsche Dogge war nicht der einzige Hund bei der Jagd. Sie war der letzte Hund. Zuerst gingen die "Saufinder" — Hunde, die das Wildschwein aufspürten. Dann die "Saurüden" — Hunde, die es aus der Dunkelheit ins Freie trieben. Und erst dann, im kritischen Moment, ließ man die Deutschen Doggen los, um zu packen und festzuhalten. Sie waren zu wertvoll, um sie für die weniger gefährlichen Teile zu verschwenden.
In 25 Jahren im Feld treffe ich manchmal Besitzer, die fragen: "Warum hat mein Hund Angst vor bestimmten Dingen?" Und die Antwort ist immer dieselbe — schau dir an, wofür er geschaffen wurde. Aber die Deutsche Dogge ist anders. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Verwandlung.
Denn Ende des 18. Jahrhunderts, als Gewehre weit verbreitet wurden, wurde die Jagd mit Hunden überflüssig. Die Deutschen Doggen mussten nicht mehr hinter Wildschweinen herjagen. Sie hätten verschwinden können.
Aber sie verschwanden nicht.
Sie zogen von den Höfen der Jäger in die Schlösser des Adels. Und der Adel wollte keinen angriffslustigen und einschüchternden Hund. Er wollte einen schönen, beeindruckenden, sanften Hund — der am Kamin sitzt und wie eine lebendige Statue aussieht. Er wollte ein Statussymbol auf vier Beinen.
Und so geschah etwas Erstaunliches: Die Deutsche Dogge durchlief eine neue künstliche Selektion. Über Generationen hinweg wählte man die Ruhigsten, Sanftesten, Treuesten. Wer zu aggressiv war — kam nicht durch. Wer zu nervös war — flog aus der Genetik.
Und das Schöne ist, dass diese Selektion funktionierte. Die Deutsche Dogge von heute ist nicht der Saupacker des 17. Jahrhunderts. Sie ist ein Hund des Friedens.
Aber täusche dich nicht. Die Deutschen Doggen haben nicht völlig vergessen, was sie waren. In dem Moment, in dem etwas bedrohlich wirkt — erwacht der große Körper. Die alte Vision des Wildschweinjägers existiert irgendwo tief in den Genen. Es braucht nur viel mehr, um sie zu aktivieren.
Das Drei-Ränge-System
Eines der faszinierendsten Dinge an dieser Rasse ist, wie der Umgang mit ihr die Persönlichkeit geprägt hat. Bei der Jagd des deutschen Adels wurden die Deutschen Doggen in drei Ränge eingeteilt.
Die höchste Stufe — Kammerhunde. Das waren die schönsten und stärksten. Sie schliefen im Schlafzimmer des Adligen, mit einem goldenen Halsband. Ihre Aufgabe war der persönliche Schutz in der Nacht. Sie bekamen das beste Futter, die beste Erziehung und tägliche Aufmerksamkeit.
Die zweite Stufe — Leibhunde. Sie bekamen ein silbernes Halsband. Auch sie lebten im Haus, waren aber weniger prestigeträchtig.
Die dritte Stufe — "Englische Doggen" — gewöhnliche Arbeitshunde, die im Zwinger lebten.
Die Bedeutung dieser Einteilung: Generationen lang wurden die Deutschen Doggen, die im Haus lebten (Kammerhunde und Leibhunde), speziell wegen ihrer sozialen Sensibilität, emotionalen Intelligenz und Führigkeit ausgewählt. Das waren nicht nur große Hunde. Das waren Hunde, die erzogen wurden, um Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein.
Und so, lange bevor der Begriff "Sozialisation" existierte, erhielt die Deutsche Dogge bereits seit Jahrhunderten intensive Sozialisation.
Bismarck und die Deutschen Doggen
Man kann nicht über die Deutsche Dogge sprechen, ohne Otto von Bismarck zu erwähnen. Der Kanzler Deutschlands, Gründer des Deutschen Reiches, war ein begeisterter Verehrer der Rasse. Schon in jungen Jahren, als er Jura in Göttingen studierte, weigerte er sich, sich von seiner Dogge Ariel zu trennen. Die Geschichte erzählt, dass Bismarck, als sie zum Rektor zitiert wurden, den Hund mitnahm — und eine Strafe von fünf Talern erhielt, weil der Rektor sich vor dem großen Hund erschreckte.
Später wurden Bismarcks Deutsche Doggen zu einem nationalen Symbol. Die Rasse wurde manchmal "Bismarckdogge" oder "Reichshund" genannt. Als Benito Mussolini Deutschland besuchte, präsentierte Bismarck seinen Hund Tyras II — und die Dogge verursachte beinahe einen diplomatischen Zwischenfall, als sie sich auf einen russischen Botschafter stürzte, der übermäßig gestikulierte, und ihn umwarf.
Die Verbindung zwischen Bismarck und den Deutschen Doggen half, die Rasse nicht nur als Arbeitshund, sondern als Symbol deutscher Stärke zu etablieren — verbunden mit Adel und Sanftmut.
Wie die Arbeit die Persönlichkeit prägte
Die Deutsche Dogge ist ein perfektes Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Rasse in einer Generation (gut, in Dutzenden von Generationen) ihre Bestimmung ändert.
Die Größe
Das Erste, was jeder sieht. Aber wichtig ist nicht nur die Größe — sondern wie die Größe das Verhalten beeinflusst. Die Deutsche Dogge kann vor einem Problem nicht weglaufen. Wenn sie Angst hat, kann sie sich nicht unter dem Bett verstecken. Also ist ihre Strategie: keine Angst haben. Oder es zumindest nicht zu zeigen.
Deshalb wirken Deutsche Doggen so ruhig. Sie sind nicht unbedingt ruhig — sie haben einfach gelernt, dass sie nirgendwo hinfliehen können. Also stehen sie still. Das sieht aus wie Mut, aber manchmal ist es einfach evolutionäre Selektion.
Die Sensibilität
Das Zweite, das jeder entdeckt, nachdem er mit einer zusammengelebt hat: Deutsche Doggen sind unglaublich sensibel. Sie sind keine Hunde, die man anschreien kann. Sie sind keine Hunde, die man streng bestrafen kann. Sie ertragen keine harte Behandlung.
Das hat einen historischen Grund. Die Deutschen Doggen, die an die Höfe des Adels kamen, lebten im Haus. Kammerhunde — schliefen im Schlafzimmer des Herrn. Sie wurden genau wegen ihrer Sensibilität und ihrer Fähigkeit ausgewählt, in friedlichem Zusammenleben mit Menschen in einem geschlossenen Raum zu leben.
Die Bedeutung für das Training: Die Deutsche Dogge lernt am besten in einer Umgebung der Ruhe, Ermutigung und Konsequenz. Schreien bricht sie. Körperliche Bestrafung zerstört ihr Selbstvertrauen. Sie braucht Führung — aber sanfte Führung.
Die Leichtführigkeit
Im Deutschen gibt es ein wunderbares Wort zur Beschreibung von Deutschen Doggen: Leichtführigkeit. Es ist nicht genau "hohe Triebigkeit" wie bei einem Border Collie, der ein Kommando hört und ausführt, bevor man ausgesprochen hat. Es ist eher wie guter Wille. Die Deutsche Dogge will gefallen. Sie will bei dir sein. Sie will kooperieren. Aber sie braucht Zeit zum Verarbeiten.
Ich sage meinen Kunden mit Deutschen Doggen: "Gib ihr eine Sekunde zum Nachdenken. Sie denkt. Sie ignoriert nicht. Sie verarbeitet."
Es gibt einen Unterschied zwischen einem Hund, der nicht zuhört, und einem Hund, der Zeit zum Interpretieren braucht.
Wie man eine Deutsche Dogge trainiert
Fang gestern an
Der größte Fehler, den ich bei Besitzern von Deutschen Doggen sehe: "Er ist noch klein, wir fangen mit dem Training an, wenn er groß ist."
Meine Freunde, es ist genau das Gegenteil.
Wenn eine Deutsche Dogge 10 Kilo wiegt, ist sie niedlich. Wenn sie 70 Kilo wiegt, ist sie gefährlich. Nicht weil sie böse ist — weil sie groß ist. Ein Hund, der genauso viel wiegt wie du, muss nicht böswillig sein, um Schaden anzurichten. Er richtet Schaden an, wenn er vor Freude springt.
Das Training einer Deutschen Dogge muss am Tag beginnen, an dem der Welpe ins Haus kommt. Ohne Ausnahme.
Drei Dinge, bei denen es keine Kompromisse gibt
1. Nicht springen — niemals. Bei einer Deutschen Dogge ist Springen kein Spiel. Eine Deutsche Dogge, die auf einen Gast springt, kann Knochen brechen. Nicht absichtlich — einfach weil sie groß ist. Das "Nein" zum Springen muss vom ersten Tag an absolut und konsequent sein.
2. Lockeres Leinenlaufen. Eine Deutsche Dogge, die mit 6 Monaten an der Leine zieht, zerrt dich. Nicht "widersteht" — zerrt. Du hast keine Chance gegen 70 Kilo Muskelmasse in Bewegung. Bring ihr lockeres Leinenlaufen bei, solange sie noch klein genug ist, um dich nicht zu zerren.
3. Tür = Stopp. Eine Deutsche Dogge, die durch eine Tür rennt, kann einen Menschen umwerfen. Bring ihr bei, sich vor jeder Tür zu setzen. Sie geht nur raus, wenn du es sagst. Sie kommt nur rein, wenn du es sagst. Das ist nicht beeindruckend — das ist ein eisernes Gesetz.
Der Ton
Deutsche Doggen respektieren keine Härte. Sie respektieren Konsequenz.
Ich sehe manchmal Besitzer, die eine Deutsche Dogge nehmen und versuchen, "der Alpha" zu sein. Sie drängen, drohen, wenden Gewalt an. Das endet schlecht. Eine Deutsche Dogge, die so gebrochen wird, wird nicht ängstlich — sie kann gefährlich werden.
Der richtige Ansatz: Gib ein Kommando. Warte. Belohne, wenn sie es macht. Wenn sie es nicht macht, hilf ihr, erfolgreich zu sein, und belohne dann.
Du brauchst deine Stimme nicht zu erheben. Deine Stimme muss nicht laut sein — sie muss klar sein.
Verstärkungen, die funktionieren
Deutsche Doggen sind klassische Futterhunde. Sie lieben es zu fressen. Aber wegen der Magenempfindlichkeit (dazu gleich mehr) muss man das Futter in viele kleine Portionen aufteilen.
Ich empfehle weiche, kleine Verstärkungen, die man verteilen kann, ohne die tägliche Futterration zu sprengen. Kleine Hühnerfleischstücke, Käse in kontrollierter Menge, spezielle Leckerlis für große Hunde.
Und vergiss nicht: Streicheln und Umarmen sind genauso starke Verstärkungen. Die Deutsche Dogge ist ein Hund, der sich anlehnt. Wenn sie ihren Kopf auf dich legt, ruht sie sich nicht einfach aus. Sie sagt: "Ich bin bei dir."
Bewegung und tägliches Management
Eine der Fragen, die ich am häufigsten höre: "Wie viel Bewegung braucht sie?"
Die Antwort ist überraschend: Weniger, als du denkst.
Die Deutsche Dogge braucht keine 10 km Läufe am Tag. Sie ist ein Hund, der für explosive Kraft gebaut wurde — fünfzig Meter schnell rennen und ein Wildschwein packen. Nicht für einen Marathon. Der tägliche Spaziergang (30-45 Minuten, zweimal täglich) reicht für die meisten Deutschen Doggen. Das Wichtigste: Regelmäßigkeit. Routine. Ausflüge zu denselben Zeiten, auf denselben Wegen.
Aber eines kann man nicht einsparen: geistige Stimulation. Die Deutsche Dogge langweilt sich, wenn sie nichts zu tun hat. Langeweile bei einer Deutschen Dogge sieht nicht aus wie Hauszerstörung (obwohl das auch vorkommt) — sie sieht aus wie Depression. Sie liegt da, bewegt sich nicht, wirkt teilnahmslos. Besitzer interpretieren das als "Faulheit" — aber es ist ein Flehen: "Gib mir etwas zu tun."
Lösungen: einfache Nasenarbeit (Leckerlis suchen), kurze "Sitz-Platz"-Übungen, Denkspiele mit Kisten, oder einfach mit ihr sitzen und sie streicheln, während man spricht. Die Deutsche Dogge braucht menschliche Interaktion wie Luft zum Atmen.
Der Riesenwelpe — Entwicklungsstufen
Die Deutsche Dogge erreicht die vollständige Reife mit etwa zwei Jahren. Zwischen 5 Monaten und 18 Monaten durchläuft sie die schnelle Wachstumsphase — eine Zeit, in der sie so schnell wächst, dass man den Unterschied von Tag zu Tag wirklich sieht.
In dieser Zeit ist es wichtig, auf eine an große Rassen angepasste Ernährung zu achten (um zu schnelles Wachstum zu verhindern, das die Gelenke gefährdet). Auch das Training muss angepasst werden: Der Welpe wächst, aber sein Geist ist noch jung. Mit 7 Monaten sieht er aus wie ein erwachsener Hund, aber er ist noch ein Welpe im Kopf.
Erwarte keine vollständige Kontrolle vor dem ersten Lebensjahr. Er versucht es. Er will. Aber sein Körper ist seinem Geist voraus.
Vergleich: Deutsche Dogge vs. Cane Corso
Der beste Weg, die Deutsche Dogge zu verstehen, ist der Vergleich mit dem Cane Corso. Beide sind große Molosserrassen. Beide stammen aus derselben geografischen Region. Beide sehen einschüchternd aus.
Aber der Unterschied zwischen ihnen ist enorm.
Der Cane Corso wurde für Bewachung und Schutz geschaffen. Seine Aufgabe war es, Eigentum, Land und Familie zu schützen. Jeder Cane Corso ist ein geborener Wächter. Misstrauen ist Teil seiner Persönlichkeit. Er mag keine Fremden. Er vertraut nicht leicht.
Die Deutsche Dogge dagegen wurde zuerst für die Jagd und erst dann für die Begleitung geschaffen. Sie soll nicht misstrauisch sein. Sie soll gesellig sein. Freundlich. Offen.
In der Praxis sieht das so aus: Der Cane Corso wird jede Person prüfen, die das Haus betritt. Er wird warten, riechen, entscheiden. Die Deutsche Dogge denkt standardmäßig: "Hallo, möchtest du mich streicheln?"
Das ist kein Fehler. Das ist ihre Bestimmung.
Und so ist es auch im Training: Der Cane Corso braucht intensive Sozialisation, um nicht zu misstrauisch zu sein. Die Deutsche Dogge braucht klare Grenzen, damit ihre Geselligkeit nicht zu Sprüngen und übermäßiger Begeisterung wird.
Beide sind groß. Beide sind beeindruckend. Aber ihre Persönlichkeiten sind völlig entgegengesetzt.
Deutsche Dogge vs. Labrador — der Unterschied in der Größe
Und zur Veranschaulichung ein weiterer Vergleich: Deutsche Dogge gegen Labrador Retriever.
Ein Labrador wiegt 30-35 Kilo. Eine Deutsche Dogge wiegt 60-80 Kilo. Aber der wahre Unterschied liegt nicht im Gewicht — er liegt im Betriebssystem.
Der Labrador wurde geboren, um zu gefallen. Der Apportiertrieb ist sein Motor. Er rennt einem Ball hinterher, als ob sein Leben davon abhinge. Er ist glücklich, aufgeregt, verbrennt für die Arbeit.
Die Deutsche Dogge nicht. Die Deutsche Dogge wurde geboren, um zu denken. Sie rennt keinem Ball hinterher wie ein Labrador. Sie sieht den Ball an, sieht dich an, überlegt: "Willst du wirklich, dass ich dem nachrenne? Sieht so aus?"
Meine Absicht: Die Deutsche Dogge ist nicht weniger intelligent. Im Gegenteil. Nur die Art ihrer Intelligenz ist anders. Der Labrador ist ein fleißiger Arbeiter. Die Deutsche Dogge ist ein Denker. Der Labrador rennt zuerst und stellt später Fragen. Die Deutsche Dogge stellt zuerst Fragen, rennt, wenn die Antwort zufriedenstellend ist.
In Bezug auf Training ist der Unterschied bedeutend. Einen Labrador kann man mit vielen Wiederholungen, Schnelligkeit und Energie trainieren — und er wird es genießen. Die Deutsche Dogge braucht langsame Wiederholungen, Geduld und persönliche Bindung. Der Labrador lernt, weil es ihm Spaß macht. Die Deutsche Dogge lernt, weil sie dir vertraut.
Die Gesundheit
Man kann nicht über die Deutsche Dogge sprechen, ohne über die Gesundheit zu sprechen. Denn die Größe, die Schönheit mit sich bringt, bringt auch Schmerz mit sich.
GDV — Magendrehung (Bloat)
Die Deutsche Dogge hat das höchste Risiko aller Hunderassen für GDV — Magendrehung. Eine Studie der Purdue University ergab, dass etwa 42 % der Deutschen Doggen im Laufe ihres Lebens eine GDV erleiden werden. Das ist eine verrückte Zahl.
Was tun? 2-3 kleine Mahlzeiten pro Tag statt einer großen. Körperliche Aktivität nach dem Fressen vermeiden. Fressnäpfe nicht erhöhen (die Purdue-Studie zeigte, dass erhöhte Näpfe das Risiko um 110 % erhöhen). Eine prophylaktische Gastropexie während der Kastration/Sterilisation in Betracht ziehen.
DCM — Dilatative Kardiomyopathie
Eine britische Studie von 2012 (Stephenson et al., PMID 22882627) untersuchte 107 Deutsche Doggen und fand heraus, dass 35,6 % an DCM leiden — einer schweren Herzerkrankung. Die genetische Übertragung ist wahrscheinlich autosomal-dominant.
Bedeutung: Regelmäßige Echokardiographien sind keine Empfehlung — sie sind Pflicht.
Osteosarkom
Deutsche Doggen haben ein erhöhtes Risiko für Knochenkrebs (Osteosarkom), besonders im Alter von 7-11 Jahren. Jede anhaltende Lahmheit erfordert eine sofortige Röntgenaufnahme.
Lebenserwartung
Zwischen 7 und 10 Jahren. Das ist kurz. Zu kurz. Und es ist herzzerreißend.
Häufige Fragen
"Ist die Deutsche Dogge für eine Wohnung geeignet?"
Kommt auf die Wohnung an. Die körperliche Größe ist eine Herausforderung — sie braucht Platz zum Bewegen. Aber in Bezug auf Energie und Lärm ist die Deutsche Dogge ein ausgezeichneter Wohnungshund. Sie ist ruhig, gelassen und legt sich gerne hin. Das wirkliche Problem ist nicht die Fläche — sondern die Aufzüge, Treppen und engen Türen.
"Ist die Deutsche Dogge aggressiv?"
Nicht von Natur aus. Im Gegenteil. Die Deutsche Dogge ist eine der freundlichsten Rassen. Aber wegen ihrer Größe kann selbst eine kleine Reaktion bedrohlich wirken. Das ist eine große Verantwortung. Eine Deutsche Dogge kann nicht "versehentlich" jemanden beißen — denn die Folgen sind zu schwerwiegend. Deshalb ist richtiges Training entscheidend.
"Wie viel Futter braucht sie?"
Eine erwachsene Deutsche Dogge frisst etwa 2-3 Kilo Futter pro Tag. Das hängt von der Futterqualität, dem Aktivitätsniveau und dem individuellen Stoffwechsel ab. Die Hauptsache: auf 2-3 Mahlzeiten pro Tag verteilen und niemals eine einzige große Mahlzeit füttern.
"Verträgt sie sich mit Kindern?"
Ausgezeichnet. Deutsche Doggen sind bekannt für ihre außergewöhnliche Geduld mit Kindern. Sie sind sanft, beschützend und tolerant. Aber — und das ist ein großes Aber — niemals ein kleines Kind unbeaufsichtigt mit einem großen Hund lassen, egal welcher Rasse. Auch nicht mit dem sanftesten der Welt.
"Warum hört sie manchmal nicht?"
Weil sie denkt. Die Deutsche Dogge reagiert nicht mit "sofort ja" wie ein Border Collie. Sie verarbeitet, wägt ab, entscheidet. Das ist keine mangelnde Triebigkeit — es ist ein Verarbeitungsstil. Übe in einer ruhigen Umgebung, gib ihr Zeit und gib nicht auf.
Fazit
Die Deutsche Dogge ist eine Rasse der Gegensätze.
Sie wurde geschaffen, um Wildschweine zu töten — aber heute ist sie ein Begleithund. Sie sieht bedrohlich aus — aber ist sanft wie eine Kuh. Sie ist riesig — aber sensibel wie ein Pudel.
Die Menschen, die mit der Deutschen Dogge erfolgreich sind, sind diejenigen, die diese Komplexität verstehen. Sie lassen sich nicht von der Größe beeindrucken. Sie vergessen die Größe nicht. Sie behandeln sie wie einen Hund — aber erinnern sich, dass jeder Fehler von ihr mehr kostet als bei einem kleinen Hund.
Sie ist kein Hund für jeden. Sie verlangt ein Zuhause, verlangt Präsenz, verlangt Konsequenz. Sie verzeiht Vernachlässigung nicht.
Aber wer sie versteht — bekommt einen unvergleichlichen Freund. Einen Hund, auf den man buchstäblich den Kopf legen kann. Einen Hund, dessen Präsenz einen Raum erfüllt. Einen Hund, in dessen Stille mehr Kraft steckt als in jedem Bellen.
Es gibt einen Grund, warum sie "der Apollo unter den Hunderassen" genannt wird. Nicht wegen ihres Aussehens. Wegen dessen, was sie repräsentiert: Schönheit, Kraft und Sanftmut — in einem Atemzug.
Quellen
- Stephenson HM, et al. Screening for dilated cardiomyopathy in Great Danes in the United Kingdom. Journal of Veterinary Internal Medicine. 2012;26(5):1140-1147. PMID: 22882627.
- Glickman LT, et al. Incidence of and breed-specific risk factors for gastric dilatation-volvulus in dogs. JAVMA. 2000;216(1):40-45. PMID: 10976513.
- FCI Standard Nr. 235: Deutsche Dogge. Fédération Cynologique Internationale. 2012.
- Deutsche Doggen Club 1888 e.V. — Der Standard der Deutschen Dogge. doggen.de.
- VDH — Rasse des Monats: Deutsche Dogge. vdh.de.